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08.07.15

Die Motiv-Landkarte

Grundantriebe, wie Freiheit, Ordnung oder Wettbewerb, sind in allen Menschen fest angelegt und bestimmen unser Handeln maßgeblich. Diese Grundantriebe, Motive genannt, sind jedoch ganz unterschiedlich in jedem von uns kombiniert: Der eine liebt feste Strukturen, der andere sucht hingegen viel Flexibilität – der eine strebt ständig nach Wettkampf, der Nächste ist stetig um Ausgleich bemüht.

Jeder von uns hat seine ganz individuelle Struktur, bei der bestimmte Motive besonders stark sind und uns meist unbewusst, aber sehr deutlich prägen.

Neben der individuellen Analyse und Reflexion der eigenen Motive in Bezug auf Führung oder Konfliktmanagement ist für ein Unternehmen nach einer Übernahme oder in einem Fusionsprozess besonders spannend, welcher Unternehmensteil vorrangig durch welche Motive geprägt ist.

Diese „Motivlandkarte“ des Unternehmens zeigt einerseits, welche besonderen Stile auf den Hierarchie-Ebenen vorherrschen: Prägen einen Unternehmensbereich zum Beispiel vor allem Führungskräfte, die wettbewerbsorientiert sind, Einfluss nehmen und gestalten wollen? Oder herrschen eher Führungskräfte vor, die nach planvollem Vorgehen, Orientierung und klaren Normen streben? Und was ergibt sich daraus für die neue Kultur und für den Veränderungsprozess?

Eine über das Unternehmen aggregierte Motiv-Landkarte zeigt diese Schwerpunkte – und es macht auch deutlich, welche Befürchtungen wohl auf den einzelnen Ebenen vor dem Prozess und währenddessen vorherrschen werden: Bei den beiden obigen Beispielen die Befürchtung, an Einfluss und Gestaltungsmöglichkeiten zu verlieren – oder im anderen Fall, dass sich bisher wertgeschätzte Regeln und Normen verändern werden oder überhaupt vieles erst einmal nicht geplant werden kann.

Aus dieser Analyse heraus kann interne Kommunikation sowohl an die Gruppe als auch in einem nächsten Schritt die Ansprache des Einzelnen deutlich zielgenauer umgesetzt werden. Die Perspektive derjenigen, mit denen kommuniziert wird – die Zielgruppe der Kommunikation also – wird zielgenau einbezogen.

Auch im sukzessiven Aufbau einer gemeinsamen Kultur stiften Motiv-Analysen einen zusätzlichen Nutzen. Veränderungen treffen in vielen Fällen auf sichtbaren oder auch unsichtbaren Widerstand. In Seminaren oder Einzel-Coachings, die Motive und Führung oder Motive und Kommunikation zum Thema haben, erkennen die Teilnehmer selbst, mit welchen Stärken und Exzellenzpunkten sie sich in die neue Unternehmensstruktur einbringen können. Hier wird nicht das zum Teil problembehaftete Thema „Fusion“ zum Aufhänger, sondern der Einzelne mit seinen Motiven und Bestrebungen – sprich dem, was sowieso motiviert.

Ein nicht zu unterschätzender Nebenaspekt: Viele Teilnehmer erkennen in Seminaren mit Motiven gleichzeitig, bei welchen Aspekten sie bisher schon exzellent ihre Mitarbeiter führen, Konflikte lösen etc. – aber eben auch bei welchen Aspekten sie selbst Veränderungsbedarf haben, um 100 % Leistung bei ihren Mitarbeitern initiieren zu können. Damit wird die Führungskultur insgesamt deutlich verbessert und ermöglicht eine bessere Performance des Unternehmens.

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